Ein schonungsloser, ehrlicher Rückblick auf 10 Jahre Wikileaks

Wikileaks feierte sich am Dienstag Vormittag in einer Pressekonferenz selbst für „10 Jahre, 10 Millionen Dokumente“ und kündigte neue Leaks an, die die Präsidentschaftskampagne beeinflussen könnten, während die Regierungsbehörden zunehmend dem Verdacht nachgehen, dass Wikileaks nur noch Material weiterreicht, das von den russischen Geheimdiensten gestohlen wurde.

Die linke Mainstream-Presse rollte vor Jahren noch den roten Teppich aus für Julian Assange, aber damit ist es inzwischen vorbei. Entweder man war ein nach links tendierender, naiver Fan von Wikileaks auf Achtklässler-Niveau, oder man war ein obrigkeitshöriger Republikaner, der am liebsten ein Attentäter-Kommando oder eine Predator-Drohne in Richtung Assange schicken wollte. Ein richtig ehrliches Bild konnte man sich nur machen, wenn man alles wichtige öffentliche Material objektiv auswertete und die gravierenden Widersprüche und versteckten, enorm wichtigen Fakten betonte.

Assanges Verstrickungen mit knallharten Behörden

Es wurde viel zu viel Belangloses über Assanges Vergangenheit geschrieben um irgendwie zu zeigen, wie Dinge aus seiner Vergangenheit angedeutet hätten, was er später einmal treiben werde. Die wirklich wichtigen Dinge wurden in der Presse weitestgehend ignoriert und nicht weiter verfolgt.

Assange nutzte in seiner Hacking-Frühphase einfaches Phishing (etwa Täuschung am Telefon) um an Passwörter zu gelangen, er installierte Hacking-Programme auf fremden Computern und stahl damit noch mehr Zugangsdaten. Viel Fantasterei und Übertreibung mischte sich in die Selbstdarstellung. Er hätte angeblich 20 Jahre lang eine Hintertür und totale Kontrolle in der höchsten Sicherheitseinrichtung des militärischen Teils des amerikanischen Internets besessen. Dies ist höchst unglaubwürdig. Gleichzeitig gesteht er nichts wirklich offiziell ein um sich nicht selbst zu belasten, akkurate Beweise sind dünn. Ein Angriff auf die Behörde NASA soll 500.000 Dollar Schaden angerichtet haben und Assange nennt später voller Stolz seine australischen Hackerkollegen als Täter. Australische Ermittler stoßen 1990 bereits auf zwei Mitglieder der „International Subversives“ und hören Assanges Telefon ab. Sie sammeln noch weitere 12 Monate lang zusätzliche Beweise, bevor Ende 1991 die Verhaftung durch die Bundespolizei erfolgt. Trotz der erdrückenden Beweislast streitet er alles ab und lässt sich in eine psychiatrische Klinik einweisen. Die Staatsanwaltschaft braucht ganze 3 Jahre, um offiziell Anklage zu erheben. 31 Delikte kommen schließlich zur Verhandlung und die Hackerkollegen belasten ihn schwer. Es liegt nahe, dass letztere damit ein höheres Strafmaß für sich selbst verhindern wollten. Im Dezember 1996 dann das Urteil „schuldig“ in 25 Fällen. Nun kommt der Schocker: Alle drei selbsternannten Super-Hacker, die angeblich NASA und das ARPAnet der US-Regierung in der Hand hatten, bekommen jeweils nur 2.100 australische Dollar Geldstrafe! Die SPIEGEL-Autoren erklären sich diesen bizarren Widerspruch mit Geschwafel über impotente und planlose Behörden. Das soll also die Reaktion des amerikanisch dominierten Multimilliarden-Geheimdienstapparats gewesen sein?

Versetzen wir uns in die Lage der australischen Behörden: Sie ackern jahrelang an den Ermittlungen, setzen weiß Gott wieviele Ressorcen ein und dann springt nur eine lausige Geldstrafe dabei heraus? Dass die Rückfallquote bei verurteilten Hackern sehr hoch sein muss, war offensichtlich. Das heißt, man hätte sie noch weiter beobachten und damit rechnen müssen, dass sie sich das nächste mal noch klüger anstellen. Den Behörden war klar, dass da draußen bald wahrscheinlich 100 oder 200 oder noch mehr junge Hacker von der Sorte herumliefen. Ein Jahr später sind es vielleicht 1000, ein Jahr drauf vielleicht 5000. Die Behörden hatten im Grunde zwei Möglichkeiten:

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